Nonnebakken (eingefügt 25.04.2018)

Navidaten: 55.39194 10.38916  - Nonnebakken 6, 5000 Odense C
 

"Nonnebakken" war eine ehemals rinförmige Wikingerburg vom Trelleborgtyp. Sie lag im Zentrum der heutigen Stadt Odense auf der Insel Fünen. Genauer gesagt, lag der Wall grob zwischen den heutigen Straßen Nonnebakken, Hunderupvej und Allégade, südlich des Flusses Odense Å. Heutzutage sind keine oberirdischen Spuren erhalten / sichtbar. Ihre Spuren konnten aber über Ausgrabungen, die gerade in den letzten Jahren aufsehenerregende Erkenntnisse und Fundstücke lieferten, eindeutig nachgewiesen werden. Über die Ausgrabung von Architekt C.G. Schultz vom Nationalmuseum Kopenhagen 1953 konnte der eindeutige Beweis für die Existenz einer Rinburg erbracht werden. Dieser hatte auch zw. 1945 und 48 die Ausgrabungen an der Aggersborg geleitet. In den Ausmaßen gleicht Nonnebakken am ehesten der Burganlage von Fyrkat mit einem Durchmesser von ca. 120 m (Grabungsergebnis 1953). Weitere Ausgrabungen des Dänischen Nationalmuseums im Umfeld fanden zunächst 1968 und 1969 (Olaf Olsen) und im Bereich Møntergårdens 1976 (Jørgen Nielsen) statt. Im Jahr 1988 wurde ein mindestens 4 m breiter und 2 m tiefer Spitzgraben mit einer maximal 10-12 m breiten Berme bei Kabelausschachtungen nachgewiesen. Die Verfüllung ließ sich in die Klosterzeit datieren. Ein 8 m breiter und 4 m tiefer Spitzgraben wurde 1992 im NO und NW im Schnitt ergraben. Bei Notgrabungen im Zuge der Fernwärmeinstallation wurde 1995/97/98 ein mindestens 3 m tiefer und 11 m breiter Graben erforscht. Dabei wurde ein Spaten aus Eichenholz geborgen. Dieser ließ sich dendrochronologisch in die "Funktionszeit" der Anlage datieren. Bei weiteren Untersuchungen im Jahr 2002 wurden Teile der Klosteranlage erfasst. Zuvor gab es aber auch schon 1775 und 1889 vereinzelt Ausgrabungen, um der Burg auf die Spur zu kommen.

Odense selbst wurde erstmals in einem Dokument des römisch-deutschen Königs Otto III. (ca. *980 - †1002) im Jahre 988 erwähnt (Aus dem Haus der Ottonen, ab 996 römischer Kaiser). Vermutlich leitet sich der Name von einem Verehrungsplatz für Odin, der Göttervater der nordischen Mythologie ab.

Die Ringburg "Nonnebakken" ist übrigens die erste, von inzwischen fünf entdeckten Ringburgen auf dem Staatsgebiet des heutigen Dänemark. In der Stadtansicht von Odense im Städteatlas "Civitates Orbis Terrarum" (Bd. 5, Bildtafel 30) von Georg Braun (1541–1622) und Frans Hogenberg (1535–1590) ist sie eindeutig zu erkennen (siehe oben). Diese Ansicht von Odense entstand 1593 wohl nach Angaben von Heinrich Rantzau oder nach Skizzen, die er veranlasst hatte. Auf dieser Ansicht ist die Ringburg mit der Bezeichnung "locus Nundeborrig dictus" versehen. Auf einer Karte von 1717 ist dann der Name in "Nonne Bierg" abgeändert worden. Später wechselt die Bezeichnung noch zu "Nonnebjerg", bzw. "Nonnebanke", bevor sich die Bezeichnung "Nonnebakken" etablierte.

Ausschnitt aus der Städteansicht von 1593 (Das Urheberrecht liegt bei "Odense Bys Museer").


In dieser Ansicht von 1717 ist der Ringwall ebenfalls deutlich zu erkennen.


Der Name "Nonnebakken" (Nonnenhügel) leitet sich übrigens von einem ehemaligen Nonnenkloster ab. Die erste Erwähnung dazu findet sich zum 06.02.1180 mit einem Benediktinerkloster, in dem es offenbar auch Nonnen gab. Im Jahre 1186 scheinen die Nonnen eine eigene Einrichtung, auf dem Areal der ehemaligen Wikingerburg, erhalten zu haben. 1249 zogen sie dann weiter in ein Kloster bei Dalum, südlich der Stadt. Über Ausgrabungen 1976 konnten diese historischen Fakten auch bestätigt werden.


Diese Ansicht von "Odinse" aus dem Jahr 1840 zeigt rechter Hand Reste des Walles von Nonnebakken (Das Urheberrecht liegt bei "Odense Bys Museer").

Im 1908 traf die Stadtverwaltung Odense allerdings die unglückseelige Entscheidung und ließ diesen einebnen. Die Bedeutung der Erderhebung (Wall) war zu der Zeit leider längst in Vergessenheit geraten.

Eine historische Fotografie von 1909 zeigt die Grabungsmannschaft mit ihren Gerätschaften (Das Urheberrecht liegt bei "Odense Bys Museer").


Die nachfolgende Übersicht ist der Zeitschrift "SKALK, 2016, Nr. 6, S. 5" entnommen. Daraus sind die einzelnen Grabungsphasen mit den Jahreszahlen ersichtlich. Die Ringburg Fyrkat wurde hier zu besseren Verdeutlichung in grün unterlegt. Für die Genehmigung zur Verwendung auf meiner Homepage danke ich dem Urheber nochmals recht herzlich.

Ergänzend dazu gab es zwischen dem 27. und 30. Oktober 2017 eine weitere Ausgrabung, bei der man gezielt nach dem Nordtor im Ringwall, einem von vier Zugängen zur Ringburg gegraben und dieses glücklicherweise am 26.10.2017 auch tatsächlich gefunden hat - Bericht (in dänischer Sprache) siehe hier. Damit ist der letzte Zweifel aus dem Weg geräumt - es ist eine wikingerzeitliche Ringburg vom Typ "Trelleborg". Reste von den Häusern im Wallinneren hat man aber immer noch nicht entdeckt, so dass auch schon die Vermutung aufkam, dass diese Burg vielleicht nie fertiggebaut wurde.


Diese alte Postkarte, das Urheberrecht liegt bei "Odense Byer Museer", zeigt die neuzeitliche Ansicht, ähnlich der heutigen.

Die Lage der Ringburg innerhalb der modernen Bebauung zeigt dieses Luftbild (Das Urheberrecht liegt bei "Odense Bys Museer").

 

Weiterreichende Informationen zu den Grabungskampagnen - in dänischer Sprache - finden sich über "http://www.historiskatlas.dk" hier:  Fotos / Grabung 2005 / Grabung 2015 / 2017 (Fund des Nordtores). Die Abhandlungen sind bebildert, so dass man sich auch ohne dänische Sprachkenntnisse zumindest mal ein Bild machen kann.


Hier noch einige Ausgrabungsfunde (Das Urheberrecht liegt bei "Odense Bys Museer").