Harald Blauzahns Runenstein (Jelling 2)

Es handelt sich hier um das bedeutendste dänische Runendenkmal, das im Auftrag von König Harald Blauzahn, dem Sohn und Nachfolger von Gorm dem Alten, errichtet wurde.    

Er lag früher eingesunken im Boden des Friedhofs. Davon berichtete eine vergoldete Inschrift auf einer Tafel, die beim Brand der Kirche von Jelling im Jahre 1679 zugrunde ging: „Im Jahre 1586, während der Regierung König Frederiks II., ließ Caspar Markedaner in Søgaard, der damalige Lehnsmann auf Koldinghus, den Stein auf dem Friedhof ausgraben, der draußen vor der Kirchentür steht und die Inschrift enthält, die König Harald für seinen Vater Gorm und seine Mutter, Königin Thyra, etwa im Jahre 960 machen ließ."    

Heute befindet sich der Stein unmittelbar vor dem Eingang zur Kirche, neben dem kleineren Runenstein von König Gorm dem Alten.Der auf drei Seiten bearbeitete mannshohe Stein ist mit kunstvollen bildlichen Darstellungen geschmückt. Die Inschrift ist in ein üppiges Rankenornament eingebettet.

Der Anfang der Übersetzung erinnert an den kleinen Stein von Jelling. Jedoch neben dem Gedenken an die Eltern werden mit besonderer Betonung Haralds Taten erwähnt. Diese Großtaten versucht man nun mit den historischen Tatsachen zu verbinden, um dadurch eine Datierung zu gewinnen: 1. Harald christianisierte die Dänen. Das Datum von Haralds Taufe schwankt um die Mitte des 10. Jahrhunderts; 2. Harald bezwang Norwegen, als er 970 den norwegischen König Harald Graumantel besiegte; 3. Die Einigung Dänemarks durch Harald verbindet man mit der Einnahme des Danewerks und Haithabus im Jahre 983. Für die Datierung ergibt sich auf jeden Fall ein relativ großer Spielraum: ca. 950-985. 

Die Seiten B und C tragen große Bilddarstellungen. Die Seite B, auch Drachenseite genannt, zeigt einen Vierfüßler und eine Schlange, wahrscheinlich im Kampf. Deutungen sind mehrfach versucht worden: der Kampf des Guten (Neuen, des Christentums) mit dem Bösen (Alten, dem Heidentum). Eine Deutung als Löwe und Schlange im Kampf bezogen auf den darunter stehenden Text überzeugt kaum. Das „große Tier“, das angelsächsische Vorbilder hat, kehrt oft auf Runendenkmälern und anderen Gegenständen wieder.  Dieses Tier ist von der Nackenspitze zum untersten Fußzeh 124 cm und von der vordersten Tatzenspitze zum hintersten Bein 115 cm groß. 

Die Seite C, auch Christusseite genannt, gilt als älteste Darstellung Christi im Norden. Wenn in der Komposition auch heidnische (Odin am Baum) und christliche Vorstellungen zusammengeflossen zu sein scheinen, wird die Interpretation „Christus am Lebensbaum“ kaum fehlgehen. Unter dem Christusbild verläuft die Inschrift „und machte die Dänen zu Christen“. Die Christusfigur ist 130 cm hoch und misst von Arm zu Arm 111 cm. Aufgrund der Ornamentierung wir dieser Runenstein auch oft als der „Taufschein Dänemarks“ bezeichnet. 

Die waagrechte Anbringung der Runenbänder, die Einführung der in der dänischen Ornamentik unbekannten Blätterverzierung und die Reliefbehandlung selbst, Eigenschaften, die alle drei mit der englischen Ornamentik übereinstimmen, machen es in Verbindung mit den ausgesprochen nordischen Elementen der Ornamentik wahrscheinlich, dass der Schöpfer des prachtvollen Steins ein dänisch-englischer Künstler war. 

Knud J. Krogh vom Kopenhagener Nationalmuseum hat in den letzten Jahren unserem Wissen um „Haralds Stein“, den größten Runenstein der Welt, einiges Neues hinzugefügt. Technische Untersuchungen haben ergeben, dass er zehn Tonnen wiegt und aus Gneis besteht, nicht aus Granit, wie man früher annahm. Eine genaue Vermessung der Lageverhältnisse sowie eine Ausgrabung dicht um die Unterlage des Steines haben weiterhin erwiesen, dass er offenbar ursprünglich einen Meter von seinem jetzigen Platz stand. Wahrscheinlich war der Haraldstein ursprünglich ausgemalt. 

Die hier gezeigte farbige Ausgestaltung (Link nebenan) ist im nahegelegenen Museum "Kongernes Jelling" zu sehen. Eine farbige Kopie von beiden Jelling-Steinen steht z.B. beim Museum in Varde/Jütland. Eine Kopie des Harald-Steins steht seit 1936 auch in Utrecht/NL.