Ausgrabungen in der Kirche 

Ejnar Dyggve führte 1947 und 1951 kleinere Ausgrabungen in der Kirche von Jelling in Verbindung mit seinen Überlegungen zu dem im Abschnitt Südhügel bereits angeführten Bauta-Vi durch. Unter dem gestampften Fußboden der ältesten Kirche stieß er dabei auf noch einen Tonfußboden mit einem darin versenkten, kräftigen Pfostenloch, was als Hinweis auf einen heidnischen Göttertempel interpretiert wurde.

In Verbindung mit der Installation einer Fernheizungsanlage unter dem Boden der Kirche wurde Museumsinspektor Knud Krogh vom Nationalmuseum Kopenhagen im Jahre 1965 als Sachverständiger hinzugezogen. Während der Aufgrabung des Bodens bemerkte er eine Reihe von Steinen, konnte deren Funktion jedoch zunächst nicht unterbringen. Im Spätherbst 1976 (-1979) kam Krogh erneut zum Einsatz, da man nun eine durchgreifende Restaurierung der Kirche durchführen wollte. Zum erstenmal wurde diese nun als ganzes in die Untersuchungen einbezogen. Die Untersuchungen von Knud Krogh haben dann auch aufsehenerregende Ergebnisse erbracht.    

Man war sich schon darüber klar gewesen, dass Spuren von früheren Gebäuden unter der jetzigen Kirche waren, die von ungefähr 1100 stammt. Nun wurde festgestellt, dass es wahrscheinlich nicht weniger als drei Kirchen vor dieser gegeben hat. Sie sind alle aus Holz gewesen, und alle drei sind niedergebrannt. Die älteste von ihnen muss aus der Zeit Haralds gewesen sein, nach seinem Übergang zum Christentum gebaut. Das interessante dabei ist, dass sie offenbar größer als die jetzige Kirche gewesen ist. Das klingt vielleicht nicht imponierend für uns, aber die übrigen Holzkirchen, von denen Spuren in Dänemark, ja im ganzen Norden, gefunden worden sind, sind viel kleiner gewesen. Allen sollte klar sein, dass die Kirche in Jelling die Kirche des Königs war.    

Das größte Aufsehen erregte jedoch das, was man unter dem Chorgewölbe fand. Hier tauchten die Überreste einer Grabkammer auf, ähnlich der im Nordhügel, und diesmal waren Überreste von Menschen darin. Bald erschienen Teile von Gebeinen, nicht nur kleine und große Knochen, sondern auch ein ansehnlicher Schädel. Es schien, dass er von einer männlichen Person stammte. Es war aber auffällig, dass alles in wüstem Durcheinander gefunden wurde, z.B. lag ein großer Knochen ganz dicht neben dem Schädel. Das könnte darauf deuten, dass hier eine Umbettung stattgefunden hatte und dies nicht das ursprüngliche Grab war.    

Neben diesen Funden tauchten auch Reste der Grabbeigabe hervor. Zahlreiche sehr dünne Stücke aus Golddrähten, die auf eine Art gewunden waren, die zeigte, dass sie in eine kostbare Kleidung eingewirkt gewesen sein müssen. Und nicht zuletzt kamen zwei prachtvolle Schmuckstücke an den Tag (Bild 1 - Bild 2). Sie waren aus Silber mit einem Überguss von Vergoldung und mit Mustern in Niello, einer blauschwarzen Schwefelmischung - alles in allem eine bewundernswerte handwerkliche Leistung. Von größtem Interesse war es aber, dass die Schmucksachen in einem Stil und mit einer Technik gestaltet waren, die in auffallendem Grad an die im Nordhügel gemachten Funde erinnerten, darunter an den berühmten Jellingbecher.    

So deutete alles auf die Idee, die Knud Krogh schon gehabt hatte, als er die Ausgrabung begann: dass Harald nach seinem Glaubenswechsel seine Eltern aus dem heidnischen Grabhügel umgebettet und sie unter der großen Kirche beerdigt hatte, die er bauen ließ. Damit scheint das Rätsel um die leere Kammer im Nordhügel gelöst.    

Es zeigte sich aber, dass etwas nicht in dieses Bild passte. Die Knochen und Zähne, die gefunden worden waren, wurden sehr genau mit allen modernen technischen Hilfsmitteln untersucht. Das Ergebnis war, dass sie nur von einem Menschen, einem Mann von ca. 173 cm Grösse stammen können. Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es sich um Haralds Vater, König Gorm, handelt.    

Man kann einwenden, dass er, wenn es Gorm der Alte ist, nicht recht seinem Namen zu entsprechen scheint. Die Bestimmung des Schädels lässt nämlich darauf schließen, dass er von einem Mann im mittleren Alter stammt, der kaum mehr als ungefähr fünfzig Jahre alt war. Das galt doch sicher damals als ein höheres Alter als jetzt. Aber überhaupt ist Gorms Beiname - vie so viele der späteren dänischen Könige - von höchst unsicherer Herkunft.  

Am Mittwoch, dem 30. August 2000 wurde ein Schrein mit den irdischen Überresten von König Gorm dem Alten in Anwesenheit Ihrer königlichen Majestät Königin Margrethe, Kronprinz Frederik und ihre königlichen Hoheiten Prinz Joachim und Prinzessin Alexandra wieder in der Kirche in Jelling begraben. Die irdischen Überreste von Gorm bestehen aus 70 Skelettteilen und wurden in einem 88 kg schweren Zinkschrein mit den Maßen 52x52 cm und 65 cm Höhe in eine Betonkammer im Fußboden, mittig vor der Treppe zum Chor, eingelassen. Jedes einzelne Knochenteil wurde vorher  in säurefreies Seidenpapier gewickelt und danach in aufgeschäumtes Plastikmaterial gelegt, wodurch Formen entstanden, die den einzelnen Teilen entsprechen. Die Knochen liegen in 6 Lagen übereinander. Ganz oben liegt der Schädel, darunter das Rückgrat,  usw. Zuletzt wurde aus dem Zinkschrein die Luft abgepumpt und er wurde verlötet. Das Kammergrab wurde mit einem Deckstein, der von dem Künstler Jørn Larsen gestaltet wurde, abgedeckt. Der Stein trägt die Inschrift:  "KÖNIG GORM IM GRABHÜGEL BEERDIGT 959 UND SPÄTER HIER BEIGESETZT". Der Schrein und der Deckstein sind gestiftet von dem Ny Carlsbergfond. Nachdem der neue Granitfußboden komplett verlegt ist, ist das Grab mit dem Deckstein nicht mehr sichtbar. Weiterhin wurde die Kirche auch noch im Innern von dem o.a. Künstler neu ausgeschmückt. Die Ausschmückung umfasst den gesamten Kirchenraum, u.a. einen neuen Fußboden aus Granit, einen neuen Altar und neue Glasmalereien.  Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde die Kirche bei einem Festgottesdienst am 3. Dezember 2000, um 10 Uhr, der Öffentlichkeit gezeigt. 

Dann drängt sich natürlich die Frage auf, was aus Königin Thyra geworden ist. Es ist ja bis jetzt als wahrscheinlich betrachtet worden, dass alle beide im Nordhügel beerdigt gelegen haben. Das merkwürdige ist, dass nur Gorm in die Kirche überführt worden ist - war Thyra doch nie im Nordhügel bestattet, und wo soll man in dem Fall ihr Grab suchen? Mit diesem Problem werden sich die Archäologen noch beschäftigen müssen. 

Die Frage über das Schicksal der Königin Thyra ist nicht das einzig verbliebene Rätsel. Die Jellingdenkmäler schließen viele andere Probleme ein, die immer noch auf ihre Lösung warten. Es ist erwähnt, dass der Südhügel ein leerer Denkmalhügel sein kann. Aber für wen? Man ist geneigt zu sagen: für Harald Blauzahn. Es ist doch denkbar, dass dieser große Bauherr auch einen ansehnlichen Bau zum Andenken an sich errichten wollte. Solch leeren Hügel sind nichts Einmaliges. Dennoch haben nicht alle Archäologen den Gedanken aufgegeben, dass es im Südhügel trotz allem Spuren von einem Grab gibt.    

Schließlich muss erwähnt werden, dass es noch nicht möglich gewesen ist, sichere Spuren zu finden, wo das königliche Hofgut gelegen hat. Es ist wahrscheinlich, dass es in unmittelbarer Nähe der Kirche gesucht werden muss, da aber dieses Gebiet seit vielen Jahrhunderten als Friedhof verwendet wird, ist es sehr schwierig, es ausfindig zu machen.