Nordhügel 

Der nördliche der beiden Zwillingshügel wird auf Grund einer jahrhundertealten lokalen Tradition Königin Thyra zugeschrieben. In ihm wurden früher mehrere Ausgrabungen durchgeführt. Über eine von ihnen berichtet eine Aufzeichnung aus der Mitte oder vom Ende des 18. Jahrhunderts: „Nach dem Bericht eines alten Mannes mit Namen Anders Jensen wurde der Hügel der Königin nach seiner Erinnerung von Bewohnern Jellings nach königlicher Order im Jahre 1704 ausgegraben, als er als Dragoner zur Pfingstzeit auf dem Feld von Faarup an der Musterung teilnahm. Im übrigen berichtet eine alte Frau hier am Ort , dass nachdem das Wasser ausgelaufen war, in einem Loch auf dem Hügel mit einer Stange von 16 Ellen Länge der Versuch gemacht wurde, ob man mit ihr den Boden erreichen konnte, aber keiner war zu finden.“ Dem hier erwähnten Teich in der Hügelkuppe, den man auf einem Stich von Heinrich Rantzau aus dem Jahre 1591 in der Hügelspitze sehen kann (Bezeichnung D), sagte man in alter Zeit Heilkraft nach. Viele Jahre lang wurde er von Krüppeln und Kranken aufgesucht. Die Sage berichtet aber, dass das Wasser seine Kraft verlor, als ein Bauer einmal sein krankes Pferd in ihm wusch.    

Der kleine Teich auf dem nördlichen Hügel lief im Jahre 1819 leer. Da das Wasser damals in Jelling knapp war, versuchten die Bauern des Dorfes im folgenden Jahr wiederum Wasser zu beschaffen, indem sie ihn bis zum Boden aufgruben. Als die Dorfbewohner auf eine große gezimmerte Kammer stießen, verboten die Behörden alle weiteren Grabungen; aber das Gerücht berichtete von ungeheuren Schätzen, die man geborgen hatte, bevor das Loch im Dach des Grabbaues geschlossen wurde. Eine Untersuchung wurde durchgeführt, bei der die wichtigsten Aufschlüsse über die Grabkammer gesichert und die Dinge gerettet wurden, die noch von ihrem Inhalt erhalten waren. Der Altertumsforscher Finn Magnussen, der sich damals gerade in Fünen aufhielt und von dort herbeigerufen wurde, hat später über den Vorgang berichtet. „Gerade am Abend bevor wir aus Fünen abreisten erfuhren wir zufällig von dem Gerücht, das aus der Gegend von Vejle gekommen war, wonach die Jellinger Bauern kürzlich den Brunnen auf Königin Thyras Hügel aufgegraben hatten, um das ausgebliebene Wasser zu beschaffen. Sie erreichten nicht ihr Ziel, stießen jedoch auf ein unterirdisches Holzgebäude.“ Man war aufs äußerste gespannt als Finn Magnussen sich am Tag darauf (2. Juni 1820) einfand. Es erwies sich jedoch, dass die Kammer leer war. Der „Brunnen“, den man für eine natürliche Quelle hielt, hatte in Wirklichkeit den vermeintlichen Grabräubern als Plünderungsloch gedient. 

Vergleicht man die Resultate der Ausgrabung im Jahre 1820 mit den Berichten des Kirchspielvogtes, der an den Grabungen der Ortsbewohner nach Wasser teilnahm, erhält man einen leidlich guten Bericht über den Grabhügel zu jener Zeit. Es können die Ausgrabungen von zwei weiteren Untersuchungen des Nordhügels hinzugefügt werden. Die eine Grabung wurde im Jahre 1861 auf Veranlassung des vorgeschichtsbegeisterten König Frederiks VII. durchgeführt. Er ließ nach einer vergeblichen Suche nach der Grabkammer im Südhügel einen Minengang in den Nordhügel bis zur Grabkammer führen. Die Kammer war eine Reihe von Jahren für Besucher zugänglich, bis das Holz verrottete und wieder geschlossen werden musste. Weitere Aufschlüsse über den Aufbau des Hügels wurden bei einer Ausgrabung im Jahre 1943 durch Ejnar Dyggve erzielt.    

Der Nordhügel hatte einen Durchmesser von 62 m und eine Höhe von 8 m. Er ist aus Gras- und Heidesoden aufgeführt, deren Unterseite man nach unten legte. Darüber wurde eine gemischte Schicht von Sand, Lehm und Torf in 1 m Dicke und ganz außen eine ebenso dicke Schicht von Humuserde aufgefüllt, um den Bewuchs des Hügels mit Gras zu sichern. Der Aufbau lässt erkennen, dass die flache Kuppe des Hügels ursprünglich einen Durchmesser von 25 m besessen hat und ihn damit dem gewöhnlichen flachkuppigen Hügeltyp der Eisenzeit zuweist.    

Zwischen den Soden dieses und des südlichen Hügels sind einige Geräte erhalten, die die Mannschaft für jene großen Bauwerke benutzt hat, und zwar in erster Linie Holzspaten mit langem Blatt und einem Handgriff mit Endknopf, die aus einem Stück herausgeschnitten sind. Die Soden hat man von den umliegenden Weiden mit Bahren, tragbar für zwei Männer, herantransportiert. Sie bestanden aus zwei langen Latten mit Handgriffen und mit Brettern dazwischen, auf denen die Soden gelegen hatten. Mehrere Tragbahren blieben im Hügelmantel erhalten, der sehr sorgfältig, Sode über Sode, aufgebaut wurde, wie man ein Dach mit Ziegelsteinen belegt. 

Auf der Sohle des Nordhügels und in die Kuppe eines Hügels aus der älteren Bronzezeit eingegraben stand die große aus Eichenholz gebaute Grabkammer, die im Jahre 1820 aufgedeckt wurde, aber schon damals geöffnet und ausgeplündert war. Das zeigte sich deutlich an vier  durchgesägten Eichenbalken in der Reihe, die quer über der von Osten nach Westen gerichteten Grabkammer lagen. Von ihnen war nämlich der 6. und 7. nebst dem 10. und 11. Stamm von Osten her durchgehauen. Das Loch zur Grabkammer wurde von den dazwischenliegenden Stämmen, Nr. 8 und 9, in zwei Teile geteilt. Sie wurden erst bei der Untersuchung im Jahre 1820 durchgesägt und entfernt, um die Erde, die bei der Brunnengrabung der Ortsbewohner von allen Seiten in die Kammer gefallen war, entfernen zu können. Die Grabkammer maß in Richtung Ost nach West 6,75 m. Sie war 2,60 m breit und 1,45 m hoch. Sie war von einer Lehmschicht und außerdem von einer Schicht schwerer Feldsteine an den Seiten umgeben. Der Boden lag 1,40 m über der Hügelbasis und 6,75 m unter der Hügeloberfläche. Oben hatte sie eine Decke von 24 mit Rinde bekleideten Eichenstämmen, von denen vier, wie berichtet, bei der Grabplünderung durchgehauen worden waren. Dies muss lange vor der Zeit Frederiks IV. geschehen sein, da das von der Plünderung herrührende Loch und die mit Lehm umpackte und wasserdichte Kammer das Regenwasser angesammelt und den erwähnten Teich in der Kuppe des Hügels gebildet hatten. Das Wasser daraus soll „so rein und wohlschmeckend gewesen sein, dass man sich davon noch aus entfernteren Gebieten etwas als Teewasser holte.“    

Die Grabkammer bestand aus 35 cm breiten senkrechten Planken, an der Innenseite mit senkrechten Brettern bekleidet und unter der Decke mit längslaufenden Brettern versehen war. Die Decke und die Wände waren mit einem wollenen Stoff bekleidet. Der Fußboden war mit Brettern auf einer Unterlage von festgestampften Brettern belegt; sie lagen in der östlichen Hälfte der Kammer quer, am westlichen Ende aber in der Längsrichtung des Grabes. Der Boden war der Länge nach in zwei gleich große Teile durch eine 4,06 m lange Planke unterteilt die 15 cm über der Fußbodenschicht herausragte. Daraus resultiert die Annahme, dass die Grabkammer für zwei Personen bestimmt. Da der südliche Hügel zu den leeren Hügeln gehört, ist es möglich, dass Königin Thyra und König Gorm Seite an Seite in dieser Kammer geruht haben. 

Allerdings ist inzwischen von anderen Grabkammern, die ganz sicher nur einer einzigen Person  gedient haben, bekannt, dass diese auch mit einer teilenden Mittelplanke versehen waren (Haithabu, Süderbrarup). Von daher ist die Mittelplanke als eindeutiger Beweis für ein Doppelbegräbnis von Thyra und Gorm nicht haltbar.

Von den Toten und ihrer sicher prachtvollen Grabaussteuer war nur noch wenig erhalten. Alles lag verstreut ohne jegliche Ordnung umher, weshalb man von einer Plünderung ausging. Es fand sich 1820 aber u.a. ein kleiner vergoldeter Silberbecher, der sich gleich unter der einen Bruchstelle in der Decke fand. Ferner fanden sich bei dieser Ausgrabung im westlichen Eck der Kammer auch zwei nahezu identische, vergoldete Bronzebeschläge. Von den Beigesetzten war nur ein kleines Stück eines Schädels und ein Röhrenknochen erhalten, die bei der Ausgrabung 1861 geborgen wurden. Außerdem fand man mehrere Stücke von Tierknochen nebst einem Pferdezahn. Bei der Ausgrabung 1861 wurde auch ein Fragment vom Rand einer silbernen Platte aufgefunden. 

Von den übrigen Funden müssen zwei kleine Vogelfiguren aus Bronze genannt werden, die mit Goldplatten überzogen sind, ferner ein eiserner  Scheidenbeschlag mit verzierter Silberauflage, ein Bronzebeschlag mit Vergoldung in durchbrochener Arbeit, der unter anderem ein Kreuz zeigt, das von Nagellöchern umgeben ist, außerdem Scherben eines Glasgefäßes, das mit aufgelegten geriffelten Glasbändern verziert ist, ein kleines Stück eines roten Seidenstoffes feinster Webart und verschiedene Holzstücke, die mit weißen, roten und schwarzen Farben bemalt sind. Auf einer dünnen Platte aus Eichenholz hatte man einen bärtigen Krieger ausgeschnitten, der mit einer Ringbrünne bekleidet und von einer Schlange umschlungen war, ein Motiv, das an die Christusdarstellung auf dem großen Runenstein erinnert. Es handelt sich aber doch nur um Brocken einer prächtigen königlichen Aussteuer, die die Grabräuber und der natürliche Zerfall hinterlassen haben. Ein paar eiserne Ringe fand man bei einer etwa 2 m langen Schiffskiste, die im westlichen Teil des Vorraumes stand und ursprünglich wohl verschiedene Teile der Grabaussteuer enthalten hatte. Die Toten hatten nicht in eigenen Särgen gelegen, sondern waren jeder in seiner  Abteilung am Westende beigesetzt worden. Sie ruhten auf Daunenkissen, von denen sich Spuren fanden und die man von gleichzeitigen Gräbern kennt, unter anderem von Mammen  zwischen Viborg und Randers. 

In der Grabstube im nördlichen Hügel von Jelling fand sich bei der Ausgrabung im Jahre 1820 ein kleines Wachslicht, das man auf einen Deckenbalken in einem Zwischenraum zwischen großen Steinen hingestellt hatte. Es ist nicht klar, ob es sich um ein christliches Altarlicht oder um ein Mittel gegen Trolle und Widergänger handelte. 

Im Jahre 1863 fand man im Aushub aus dem Nordhügel ein kleines mit Gold belegtes Bronzekreuz. Es kann sowohl absichtlich in der Grabkammer hinterlegt worden sein als auch während der Arbeiten in Verbindung mit der Überführung der sterblichen Überreste Gorms verloren gegangen sein (siehe Abschnitt Kirche).

 

Torsten Capelle vertritt in einem Aufsatz (Zum Silberkelch von Jelling, Acta Archaeologica 55, 1984, S.199-200) die Auffassung, dass der Kelch von der stilistischen Zuweisung frühestens um die Mitte des 10. Jh., wahrscheinlich sogar erst danach entstanden ist und somit nicht zum Grabgut gehört haben kann. Bei der wikingerzeitlichen Ausräumung der Kammer und Umbettung in die hölzerne Kirche von Jelling wäre ein so wertvolles Stück auch kaum übersehen worden. Seine Vermutung geht dahin, dass der Kelch auf Veranlassung von Harald Blauzahn in der leeren Kammer deponiert wurde. Vielleicht sollte damit der ehemals heidnische Grabraum auf diese Weise symbolisch geweiht werden, um das neu entstandene christliche Gesamtmonument nicht zu stören (siehe Abschnitt Kirche).