Südhügel 

Vielleicht hat man seit alters her gewusst, dass der Südhügel, der Hügel König Gorms, keine Grabkammer enthalten hatte. Denn man kennt keine zuverlässigen Nachrichten über Grabungen oder Funde in diesem Hügel, aber natürlich sind auch Sagen an ihn geknüpft. 

So berichtete man Mitte des 19. Jahrhunderts: „Vor vielen Jahren war der Eingang zur Grabstube König Gorms offen; dennoch wagte keiner hineinzugehen, bis man einen Hirtenjungen überreden konnte, mit einem Riemen um den Leib die gefährliche Wanderung zu unternehmen. Da es den Bauern zu lange dauerte, bis er zurückkehrte, zogen sie am Riemen, aber dieser war entzweigebrannt, und den Hirten sah man niemals wieder.“ „Ein anderes Mal begannen die Ortsbewohner von Jellinge, den Grabhügel des Königs zu untersuchen in der Absicht, Kostbarkeiten darin zu finden. Aber nachdem sie ein gutes Stück hineingegraben hatten, stießen sie auf einen großen schwarzen Hund und mussten die Arbeit fahren lassen. Seitdem hat man nichts mehr unternommen. Denn eine alte Weissagung berichtet, dass Jellinge verbrennen sollte, wenn der Hügel Gorms geöffnet würde.“ Dies erfolgte dennoch im Jahre 1861, als eine Untersuchung von König Frederik VII. beschlossen wurde: „... und somit ist es Unser Wille, dass der sogenannte Grabhügel König Gorms in Jellinge im Hinblick auf mehrere daran geknüpfte wissenschaftliche Fragen und die möglicherweise erforderlichen Instandsetzungen im Innern jetzt untersucht werden soll, und dies mit Pietät und Sorgfalt, wie sie sowohl das Gedenken an König Gorm als auch die Wissenschaft gültig verlangen dürfen.“ Im selben Sommer begannen die Ausgrabungen in Gegenwart hochgestellter Fachleute unter der Leitung von J.J.A. Worsaae (1821-85). Ein Minengang von über 50 Ellen Länge wurde in 14 Tagen von Pioniersoldaten in den Hügel eingetrieben, aber ohne Ergebnis. Vom König traf folgendes Telegramm ein: „Befürchte, dass sie zu tief im Hügel arbeiten, da es nur noch 6 Ellen bis zur Mitte desselben sind...“ Frederik VII. besichtigte mehrere Male (u.a. vom 16. - 19. Juli 1861)  die Untersuchungen und leitete schließlich die Bohrungen von der Kuppe aus. Als man endlich Sicherheit erlangt hatte, dass der Südhügel leer war, begann man mit der Ausgrabung des Nordhügels. Seither wurde der Südhügel in den Jahren 1941 und 1942 durch Ejnar Dyggve gründlich untersucht. Damals wurde er von oben her bis zur Sohle ausgegraben und ein Schnitt bis nach den Seiten hin gelegt. Dabei wurde wiederum endgültig festgestellt, dass er zu den leeren Grabhügeln der Eisenzeit gehörte. Zugleich wurden aber interessante neue Beobachtungen über seinen Aufbau gemacht. 

Der Südhügel ist der größte aller dänischen Vorzeithügel und vielleicht der zuletzt errichtete. Er hat einen Durchmesser von 77 m und eine Höhe von 11 m. Wie der Nordhügel besteht er aus zusammengetragenen, sorgfältig aufgestapelten Gras- und Heidesoden um einen Mittelpfahl. Halbwegs oben im Hügel lag eine zeltähnliche, über 20 m lange Konstruktion von dürftigen Eichen- und Birkenstämmen von zweifelhafter Bedeutung, vielleicht eine Schablone als Hilfe beim Aufbau des Hügels. Dann wurde die Arbeit solange unterbrochen, dass der Hügel mit Gras bewuchs, bevor man ihn bis zu seiner heutigen Größe vollendete.  

Bei der letzten Untersuchung in den vierziger Jahren war die Feststellung von besonderer Bedeutung, dass man unter dem Hügel, auf der alten Oberfläche stehend, zwei Reihen von Bautasteinen fand, deren Verlängerung nach Süden außerhalb des Hügelfußes einen spitzen Winkel gebildet haben würde. Die Bautasteine waren mit 2 m Zwischenraum aufgestellt, sind etwa 1,50 m hoch und waren mit Flechten und Moosen bewachsen gewesen, die beweisen, dass sie etwa 20 bis 30 Jahre lang unbedeckt gestanden hatten, genau die Zeit zwischen der Errichtung der beiden Runensteine, deren Zeugnis bei der Deutung der Monumente von Jelling als Ganzes zugrunde gelegt werden muss. Ejnar Dyggve hat den Vorschlag gemacht, diese Bautasteine als einen Teil eines ansehnlichen dreieckigen "heidnischen Heiligtums von Bautasteinen"  (Bauta-Vi) zu deuten, das vom Nordhügel in südlicher Richtung ausging, eine Deutung, die durch die sonstigen Vorzeitdenkmäler Dänemarks nicht bestätigt wird. Es handelt sich vermutlich vielmehr um den Teil einer gewaltigen Schiffssetzung, die wahrscheinlich vom Nordhügel ihren Ausgang nahm. Wir kennen sie von den Monumenten von Bække und Glavendrup, wo man genau den gleichen Dreiklang findet wie in Jelling, das heißt die Bautasteine in einer spitzwinklig aufgestellten Schiffssetzung, den Vorzeithügel und den Runenstein. 

Sollte es sich dabei tatsächlich um eine Schiffssetzung und nicht um ein V-förmiges Vi handeln, so muss sie eine monumentale Länge von mehr als 150 m aufgewiesen haben. In den Inschriften beider Runensteine wird lediglich von der Errichtung eines Denkmals berichtet, ohne dass jedoch differenzierte Angaben zu entnehmen sind, ob damit jeweils die Runensteine selbst, die Grabhügel, die älteste Kirche oder die hier herangezogene Schiffssetzung gemeint sind. Zu dem in mehrfacher Hinsicht so königlich ausgestatteten Platz von Jelling würde durchaus auch die größte im Norden bekannte Schiffssetzung passen. 

Eine andere spannende Entdeckung bei der Ausgrabung im Jahre 1941 war die Feststellung von Fundamenten eines Holzgebäudes oben in der Kuppe des südlichen Hügels. Hier fand man zehn schwere viereckig zurechtgehauene Eichenpfosten, die in einem rechteckigen Grundplan von 6,00 x 4,50 m Ausmaß mit je vier Pfosten auf den Längsseiten und drei an den Enden aufgestellt waren. Darunter waren waagrechte Bretter angebracht, die verhindern sollten, dass sie im Hügel einsanken, und ihre Gleichzeitigkeit mit dem letzten und abschließenden Aufbau wahrscheinlich machen. Die Pfosten wurden als Teil eines Wehr- und Wachturms oder eines Glockenturms gedeutet, aber auch als Reste eines Grabhauses auf der Kuppe des Hügels, schlechthin der Grabkammer, in der König Gorm oder eine andere königliche Person geruht hatte. Würde das letztere zutreffen, wären der südliche Hügel von Jelling und mit ihm andere Hügel mit Spuren einer Grabanlage auf der Kuppe "falsche leere Hügel." Ein Totenhaus auf der Kuppe eines sonst leeren Hügels ist aus der Wikingerzeit nicht unbekannt.