Tillitse

Die erste Erwähnung dieses Runensteins findet sich bereits von 1627, als Jon Skonvig ihn zeichnete. Zu der Zeit befand er sich in der südlichen Kirchhofmauer, mit der Kreuzseite zur Kirche hin. Dort war sein Standort wohl auch schon so lange man denken kann.

Von dem Altertumsforscher und Begründer der Runologie Ole Worm (1588-1654) war 1622 die Initiative für einen königlichen Brief an alle dänischen und norwegischen Bischöfe ausgegangen, die darin aufgefordert wurden die bekannten Altertümer in ihrem Bereich an das Reichsarchiv nach Kopenhagen zu melden. Durch den damaligen Herrscher über Dänemark und Norwegen, König Christian IV. (König von 1588 bis 1648) wurde dieses Ansinnen in die Tat umgesetzt. Über die eingehenden Rückmeldungen wurde er auf diesen Runenstein aufmerksam. Von Ole Worm wurde er höchstpersönlich untersucht und von ihm wurden zwei Holzstiche angefertigt. Diese sind in seinem großen Werk "Danicorum Monumentorum libre sex", 1643, abgebildet (S. 252 und 253 - dort als "Tilesense" betitelt):

   


Im Jahre 1652 sollte der Runenstein eigentlich nach Kopenhagen geschickt werden, aber diese Aufforderung ignorierte man einfach. Søren Abildgaard (Archivzeichner, 1718-91) zeichnete den Stein dann 1765, als er als Grund- und Eckstein im Waffenhaus in der Erde saß, mit der Rückseite in der Mauer. Der Digitalen Sammlung des Nationalmuseums Kopenhagen entnommen:

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Handschriftlicher Text:

"Denne Rune-Steen er som en Grund- Og Hjørnesteen indsat i Muuren af Tillitze Kirkes Vaben-Huus i Lolland. Det meste af Steenen stod dybt nede i Jorden, som ieg lod opgrave, for at faae Skriften at see; paa den 3de Side af Stenen kunde ieg see lidet Tegn af Rune-Skrift, men samme saa vel som Steenens 4de Side skiules aldeles i Muuren. - S: Abildgaard. A(nn)o 1765. Rune-Skriften paa denne Steen var vel gjort, og temmelig tydelig og kiendelig."

Originalgröße der Skizze: 19 x 24 cm


Etwa 100 Jahre später, vermutlich 1863, wurde der Runenstein auf Geheiß von P.G.Thorsen (Autor des 1879 erschienenen dreibändigen Werkes "De danske Runemindesmærker") dort wieder herausgenommen. Er wurde nun unmittelbar vor der Kirchhofmauer aufgestellt. Bei einer neuerlichen Untersuchung 1931 wurde er von Erik Moltke (Runologe, Verfasser des 1942 erschienenen Standardwerkes von "Danmarks Runeindskrifter") auf seinen noch heute gültigen Standort, freistehend neben der nordwestlichen Ecke des Waffenhauses, umgesetzt.

Es ist dies der einzige Runenstein in Dänemark, der zwei Inschriften beherbergt. Er ist auch der einzige Runenstein in Dänemark, der sicher von einer Person zu ihrem eigenen Gedenken mit einer Inschrift verziert wurde.


Bislang hatte ich den Runenstein  nicht in meiner Homepage aufgenommen, da ich glaubte, dass Erik Moltke ihn nicht der Wikingerzeit zugerechnet hatte (Mittelalterlich). Er wird aber in die Zeit von 1025 - 1075 datiert.


Bei meinem letzten Besuch vor Ort am 31.August 2016 habe ich diese Fotos angefertigt:


                  

                  

         


Sämtliche Informationen über diesen Stein findet man im Internet auf der Homepage der dänischen Runendatenbank.

Darüber finden sich auch drei sw-Fotos von Erik Moltke von 1935, auf denen die Runenzeichen und das Kreuz sehr gut zu erkennen sind:

       

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Im Vorfeld zu dem 2016 erschienenen Buch von Lisbeth M. Imer "Danmarks Runesten - en fortælling" reiste die Runologin des Nationalmuseums Kopenhagen mit dem Fotografen Roberto Fortuna zur Bestandsaufnahme durch die Lande. Dieser hat die Runensteine abends bei Dunkelheit mit Schräglicht aufgenommen und darüber wirklich herausragende Fotos erzielt.

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