1 - Haithabu 

Haithabu liegt am südlichen Ufer der Schlei, am Haddebyer Noor, gegenüber von Schleswig. Es war in der Wikingerzeit der bedeutendste dänische frühstädtische Seehandelsplatz, der ein Gebiet von ca. 24 ha Fläche umfasste, und zu seiner Blütezeit wohl rund 1000 Einwohner besaß. Hier lebten Dänen, Franken, Friesen, Norweger, Sachsen, Schweden und Slawen zeitweilig miteinander und betrieben ihre Geschäfte. 

Zum Noor hin war der Ort durch einen Palisadenwall und zum Landesinnern durch einen mächtigen Halbkreiswall geschützt, der bis auf kleine Zerstörungen an den Uferbereichen und beim Nordtor gut erhalten ist und heute noch 6 bis 10 m hoch ist. Er hat drei Öffnungen, eine im Westen, durch die ein Bach eintritt und durch die Stadt fließt, ein Tor nach Norden und eins im Süden. Der Halbkreiswall war mit dem sogenannten Verbindungs- oder Margarethenwall an das System des Danewerks angegliedert. 

In den frühen schriftlichen Quellen gab es verschiedene Bezeichnungen für Haithabu - Hedeby, at Haethum, Heithabyr, Hithabu,  Sliesthorp, Sliaswich, Schleswic, Schleswig - die aber alle offenbar den gleichen Ort meinen. 

Die erste Erwähnung findet sich in den fränkischen Reichsannalen für das Jahr 804, als König Göttrik mit seiner Reiterei und seiner Flotte in Sliesthorp lagerte. Im 8. Jahrhundert lag  hier wohl nur eine kleine Siedlung. Diese bot aber durch ihre besonders verkehrsgünstige Lage ideale Voraussetzungen. Die Siedlung nahm stetig an Bedeutung zu, nachdem der dänische König Göttrik im Jahre 808 den slawischen Handelsplatz Reric (vermutlich an der Wismarer Bucht gelegen) zerstören ließ und die Kaufleute nach Sliesthorp umsiedelte.  Im Jahr 811 beginnt nachweislich eine systematische Bautätigkeit in Haithabu. 849 hat Ansgar, der Apostel des Nordens, mit Genehmigung des dänischen Königs Horich an diesem Ort eine Kirche erbaut. Um 880 herum besucht der Nachfolger Ansgars, Rimbert, die Stadt und berichtet von vielen christlichen Sklaven. Um 1050 nahm der norwegische König Harald Hardrade im Kampf mit dem Dänenkönig Sven Estridsen die Stadt ein und verbrannte sie. Letztmalig wird über den Ort 1066 berichtet, als er von einem westslawischen Heer zerstört und gebrandschatzt wird. Danach war die Ära Haithabus weitgehend beendet und das heutige Schleswig gewann an Bedeutung.

 

Dass innerhalb des Halbkreiswalles ein großer Handelsplatz gelegen habe, wurde im Jahre 1897 von dem dänischen Forscher Sophus Müller behauptet, der in der sogenannten "Oldenburg" (wie das Areal damals genannt wurde) das Siedlungsgelände der einstmaligen Stadt Hedeby sah. Daraufhin wurden Ausgrabungen veranlasst, die im Jahre 1900 begannen und mit Unterbrechungen bis 1969 fortgeführt wurden. Mit der Bergung eines Wikingerschiffes und den Untersuchungen im Hafen in den Jahren 1979 bis 1980 wurden die Grabungskampagnen vorläufig abgeschlossen. Der Anstiegs des Wasserspiegels der Ostsee im vergangenen Jahrtausend um etwa 1 m sorgte für ungewöhnlich günstige Erhaltungsbedingungen, so dass eine Fülle von Funden zutage kam. Insgesamt wurden allerdings lediglich etwas mehr als 5 % des Siedlungsareals und etwa 1 % des Hafens untersucht.

 

Einen kleinen Einblick in das Treiben der damaligen Zeit bietet ein Bericht des arabischen Kaufmannes und Diplomaten At-Tartûschi aus Tortosa in Spanien über seinen Besuch in Haithabu/Schleswig im Jahr 965.

 

Luftbild (Siedlungsareal mit Halbkreiswall) Haithabu-Ringwall (nördliches Ende - von außen gesehen)
Luftbild (Haithabu mit Verbindungswall) Haithabu (Sicht auf das ehemalige Siedlungsareal)
Luftbild (Haithabus Lage am Haddebyer Noor)

Der Halbkreiswall von Haithabu - Holzstich - 1864 - The illustrated London News (Nr. 1242, Sa., 23.01.1864)


 

Infos zum Wikinger Museum Haithabu

Bilderreihe zum neu gestalteten Wikinger Museum Haithabu (Besuch am 18.08.2013)


Infos zum Projekt Wikinger Häuser Haithabu


Der Haithabu-Ringwall in Bildern


Bilderreihe zur Ausstellung in Hollingstedt, dem Nordseehafen von Haithabu (Besuch am 19.08.2013)


 

Wikingertage Schleswig

Aufgrund ihrer geschichtlichen Tradition wurden von der Stadt Schleswig am 2. und 3. August 1986 die ersten Wikingertage als Stadtfest ins Leben gerufen. Seitdem finden diese alle zwei Jahre statt und ziehen immer mehr Besucher, inzwischen mehr als 100 000, in ihren Bann. An einem Wochenende im August wird dann in einer der ältesten Städte Nordeuropas die faszinierende Welt der Wikinger wieder lebendig. Auf den Königswiesen, direkt an der Schlei, treffen sich "Wikinger" aus mehreren europäischen Nationen, vor allem aus Dänemark, Schweden und England, aber auch aus Polen und Litauen. Länder die einst mit Haithabu in Verbindung standen.

 In Schleswig haben sich die Gruppen "Opinn Skjold"  und "Midgaard Skalden" gegründet. Deren Mitglieder tragen originalgetreue Kleider und Ausrüstungsgegenstände und möchten darüber aufklären, dass Wikinger nicht nur wilde Krieger, sondern auch friedliche Siedler, Händler, Bootsbauer, Schmiede, Kunsthandwerker oder Tischler waren.

Bei den Wikingertagen landen auch meist mehrere originalgetreue Wikingerschiffe an den Ufern der Schlei. Auf dem Wikingermarkt werden verschiedene Handwerkskünste vorgeführt, die Erstellung von Werkzeug, Nahrungsmitteln, Handarbeiten usw. vorgeführt, sowie Schwertkämpfe und wikingerzeitliche Kraft- und Geschicklichkeitsspiele abgehalten.

Zu den weiteren Programmpunkten gehört ein Wikinger-Schauspiel, ein Spiel- und Bewegungsprogramm für Groß und Klein, sowie verschiedene Musikdarbietungen. Natürlich gibt es auch ein breitgefächertes Gastronomieangebot.

 


 

Impressionen von der Wikingertagen 1996

 

Impressionen von der Wikingertagen 2002

 

Das Schauspiel "Gudmunds Tod" - Wikingertage 2002

 

Impressionen von "Die Rückkehr der Wikinger" 2004